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Die Fahrzeuge der Trossinger Eisenbahn

Der Fahrzeugpark der Trossinger Eisenbahn ist genau so ungewöhnlich und interessant, wie die Entstehungsgeschichte dieser kleinen Bahn. Alle Triebfahrzeuge sind speziell für die Trossinger Eisenbahn hergestellte Einzelstücke. Auch die Personenwagen und die Bahndienstfahrzeuge waren bzw. sind Unikate.

Bemerkenswert für einen Bahnbetrieb mit einer 110 jährigen Geschichte ist die Tatsache, dass ein Großteil der Fahrzeuge bis heute betriebsbereit erhalten geblieben ist:

Foto: FTE/S. Ade (c)
T1 und B3 im Ursprungszustand von 1898
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Triebwagen T1 und Beiwagen B2 (1898)

Mit den beiden identischen Triebwagen T1 und T2 sowie dem Personenwagen (Beiwagen) B3 nahm die Bahn 1898 den Betrieb auf. Der Triebwagen T1 sowie der Beiwagen B3 (heute B2) sind erhalten geblieben und wurden 1990 in einer Art "Umbau rückwärts" wieder in den Auslieferungszustand von 1898 zurück versetzt.

Der Triebwagen T1 trägt heute den Namen "Zeug Christe", so nannten die Trossinger damals den Zeugweber (Tuchmacher) Christian Messner. Der junge "Zeug Christe" begann 1827 mit der Herstellung von Mundharmonikas. Um diese in alle Welt zu transportieren, wurde später die Trossinger Eisenbahn gebaut.

Der Beiwagen wurde 1990 "Lias" getauft, in Anlehnung an den Trossinger Rufnamen für "Elias". Dieser wird in Trossingen allerdings „Leies“ gesprochen.

 

Foto: FTE/S. Ade (c)
E-Lok EL4 "Lina" aus dem Jahr 1902
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E-Lok EL4 „Lina“ (1902)

Bereits kurz nach Inbetriebnahme der Bahn stieg der Güterwagenverkehr stark an. Für Rangieraufgaben im Stadtbahnhof und für den Transport der Güterwagen zur Übergabe an die Königlich Württembergische Staatseisenbahn (K.W.St.E.) am „Staatsbahnhof“ von Trossingen wurde 1902 die kleine E-Lok EL4 fabrikneu geliefert. Schon seit langer Zeit trägt die Lok den Spitznamen „Lina“. Lina hieß die Frau eines Triebwagenführers aus Trossingen. Eines Abends mussten noch dringend Güterwagen rangiert werden, der Mann verweigerte dies mit dem Hinweis, er müsse nach Hause zu seiner Frau Lina. Darauf seine Kollegen: „Da steht deine Lina“ und zeigten dabei auf die kleine Lok. So kam sie zu ihrem Namen. Die Maschine wurde 1967 außer Dienst gestellt und 1990 zusammen mit dem Triebwagen T1 und dem Beiwagen B3 wieder in den fahrbereiten Ursprungszustand zurückversetzt.

Mit diesen drei Fahrzeugen besitzt die Trossinger Eisenbahn den ältesten betriebsbereiten Elektrozug der Welt!

 

Foto: FTE/S. Ade (c)
T3 hat Anschluß an die DB am Staatsbahnof
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Triebwagen T3 (1938)

Erst 1939 kam zu Unterstützung der inzwischen 40 Jahre alten Triebfahrzeuge aus der Gründerzeit ein neuer Triebwagen nach Trossingen. Der bei der Esslinger Maschinenfabrik gebaute vierachsige Wagen war mit vier unterschiedlichen Bremssystemen und Totmannschaltung zur Überwachung des Triebfahrzeugführers damals auf dem modernsten Stand. Mit 60 Sitzplätzen und 34,6 t Gesamtgewicht ist der T3 das größte und stärkste Fahrzeug bei der Trossinger Eisenbahn. Durch nur eine schmale Einstiegstüre dauerte der Fahrgastwechsel aber relativ lange, was sich hauptsächlich am Staatsbahnhof beim Umsteigen auf die weiterführenden Züge Richtung Rottweil oder Villingen schnell negativ bemerkbar machte. Deshalb wurde der Wagen wenig im Personenverkehr und hauptsächlich im schweren Güterverkehr eingesetzt. Da ihn die Fahrgäste somit nur selten zu Gesicht bekamen, nannten die Trossinger ihn schnell den „Sonntagswagen“.

 

Foto: FTE/S. Ade (c)
Drei Generationen: Mitte T5 (1956) T1 (1898) und Ringzug RS1 (2003)
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Triebwagen T5 (1956)

Ebenfalls aus Esslingen wurde 1956 ein speziell für die Anforderungen auf der Trossinger Eisenbahn entwickeltes Fahrzeug geliefert. Zweiachsig, zugkräftig und mit breiten Türen im Personen- und Gepäckabteil ausgestattet, war es das ideale Fahrzeug, um die noch immer eingesetzten Uralt-Triewagen von 1898 ersetzen zu können. Er war der erste Wagen mit der damals neuen Farbgebung gelb/blau – den Stadtfarben von Trossingen. Der Triebwagen T5 wurde 1986 nach mehr als 30 Jahren Einsatzzeit bei der Maschinenfabrik Rastatt komplett überholt und wird heute noch gerne wegen seiner tollen Rundumsicht zu Sonderfahrten eingesetzt.

 

 

 

Foto: FTE/S. Ade (c)
T6 im "Exil", Familienpark Villingen-Schwenningen
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Triebwagen T6 (1968)

Zum siebzigsten Geburtstag 1968, zu einem Zeitpunkt an dem die große DB bereits viele Tausend Kilometer Nebenbahnen stillgelegt hatte, wurde für 265.000 DM noch mal ein weiterer Neubautriebwagen, nun von der Wagonfabrik Rastatt geliefert. Trotz unterschiedlicher Hersteller ist das als T6 bezeichnete Fahrzeug elektrisch nahezu baugleich mit dem 12 Jahre älteren T5. Dies vereinfachte den Unterhalt der beiden Fahrzeuge enorm. Der T6 war gleichzeitig aber auch die letzte Fahrzeugbeschaffung der Trossinger Eisenbahn. Bei den Fahrgästen war der Wagen durch seine moderne Federung berühmt-berüchtigt. Hüpfend wie ein Känguru pendelte der Triebwagen 34 Jahre lang zwischen den beiden Trossinger Bahnhöfen hin und her. 2003 wurde der inzwischen abgestellte Triebwagen als Dauerleihgabe in den Familienpark nach Villingen-Schwenningen abgegeben, kehrte aber bereits nach drei Jahren wieder nach Trossingen zurück.

Dieser weltweit einzigartige Fahrzeugpark bildet somit die Hauptattraktion der Trossinger Eisenbahn und steht in seiner Gesamtheit als Kulturdenkmal gemäß §2 des Denkmalschutzgesetzes unter Schutz. Der Fuhrpark ist somit lebendige Technikgeschichte einer elektrisch betriebenen Eisenbahn.