Lok EL 4 „Lina“

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Geschichte

Die Maschine wird hauptsächlich für den stark zunehmenden Rangier- und Güterverkehr beschafft und 1902 in tannengrüner Farbgebung mit Rollenstromabnehmer fabrikneu geliefert. Mit ihr werden vor allem im Stadtbahnhof von Trossingen die Güterwagen an die Güterhalle zur Ent- und Beladung rangiert. Aber auch die Übergabe der Güterwagen an die Königlich Württembergischen Staatseisenbahn (K.W.St.E.) und nach deren Verstaatlichung an die DRG, DR und letztlich die DB in Trossingen Bahnhof, dem „Staatsbahnhof“, ist ihre Hauptaufgabe. Um 1930 erhält die Lok einen Scherenstromabnehmer und den neuen Farbanstrich weinrot/elfenbein.

1967 wird sie nach 65 Jahren Einsatzzeit als damals älteste betriebsfähige E-Lok in Deutschland abgestellt. Damit die Maschine in der Wagenhalle geschützt untergestellt werden kann, werden aus Platzgründen auf einer Seite die Puffer entfernt.

Seit der Restaurierung durch den Gewerbeverein 1990 zeigt sich “Lina” wieder im historischen grünen Farbkleid von 1902. Die Maschine ist betriebsbereit, allerdings schwierig zu fahren. Das Anfahren muss vorsichtig erfolgen, um die Anfahrwiderstände (zur Reduzierung der Motorspannung aus der Fahrleitung) nicht zu überlasten. Beim Bremsen mit der kräftig zupackenden mechanischen Spindelbremse (Rillenscheibenbremse) gilt es, Flachstellen durch schnell blockierende Räder zu vermeiden.

Technische Daten

Baujahr:1902
Hersteller:AEG, Berlin
Fabriknummer:160
Länge über Puffer:5,80 m
Achsstand:2,50 m
Dienstgewicht:9,2 t
Fahrdrahtspannung:600 V Gleichspannung
Motoren:2 x 40 kW
Bremsen:Mechanische Spindelbremse
(Rillenscheibenbremse)
Max. Anhängelast:Bergfahrt: 22 t
Talfahrt: 60 t

Die Lok widersetzt sich über 5 Jahre allen Reparaturversuchen:

2006 machen sich bei der „alten Dame“ durch zu lange Stillstandszeiten plötzlich „Standschäden“ bemerkbar. Lagerschmieröl, das über ausgetrocknete Filzdichtungen in die beiden Elektromotore eingedrungen ist, verursacht offenbar Kurzschlüsse im Inneren der beiden Motoren.

2008 wird deshalb die Lok mit einem großen Gabelstapler auf einen Spezial-LKW des Trossinger THW verladen und zu den Spezialisten der Stuttgarter Strassenbahn nach Stuttgart-Möhringen gebracht. In der „Lokklinik“ werden beide Motore ausgebaut, sorgfältig gereinigt, überprüft und anschließend wieder eingebaut. Bereits bei den ersten Probefahrten in Trossingen zeigt sich aber, dass die Kurzschlüsse noch immer auftreten. Nun wird ein Kabelschaden zwischen Fahrschalter und Motor vermutet.

2009 werden in Trossingen wiederum durch ein Team aus Stuttgart komplett neue Leitungen in der Lok verlegt. Auch das löst das Problem nicht, die Kurzschlüsse treten noch immer auf.

2008: Lina bei den Stuttgarter Strassenbahnen

2010 kommt die Lok erneut nach Stuttgart, dort wird am talseitigen Motor ein Wicklungsschaden festgestellt. Der bergseitige Motor wird als in Ordnung diagnostiziert und dient gleichzeitig als Referenz für die Herstellung von zwei neuen Wicklungen, die im defekten, talseitigen Motor eingebaut werden. Bei der erneuten Inbetriebnahme der Lok in Trossingen läuft der reparierte, talseitige Motor nun fehlerfrei, dafür treten plötzlich am bergseitigen und bisher als in Ordnung betrachteten Motor Kurzschlüsse auf. Zur Verblüffung aller Beteiligten treten die Kurzschlüsse allerdings nur bei der Talfahrt – und das auch nur bei „Vollgas“ auf. Bei der anstrengenden Bergfahrt läuft die Lok wie ein Schweizer Uhrwerk. Nun ist guter Rat teuer.

2009: Lina erhält neue Kabel

2011 bestellt – vom Ehrgeiz gepackt – das Team der Stuttgarter Strassenbahn die Lok dann zum dritten Mal in die Möhringer Lokklinik ein. Der aufwändige Transport dorthin ist für die Männer des Trossinger THW inzwischen Routine. Die Lok wird in Stuttgart noch einmal gründlich überprüft und auf einem Rollenprüfstand erfolgreich getestet und kehrt am 20. Juli 2011 wieder nach Trossingen zurück. Bei der anschließenden Probefahrt gibt es aber unverändert Probleme mit dem bergseitigen Motor. Der Verdacht fällt nun auf die Motorkohlen, die den Strom über den sich drehenden Kollektor in die Motorwicklungen bringen. Ein Spezialist des Motorkohlenherstellers Schunk Kohlenstofftechnik GmbH schaut sich den Motor genauer an und lässt mit seinem Expertenwissen speziell für diesen Motor einen Satz neue Motorkohlen herstellen.

Am 01.12.2011 werden diese speziellen Motorkohlen eingebaut – und die Lok läuft endlich in beiden Richtungen wieder störungsfrei!

Die Reparaturkosten an der Lok übernimmt die Stadtwerke Trossingen (als Eigentümerin der Lok), wobei sich der Freundeskreis sowie die Denkmalstiftung Baden-Württemberg jeweils mit einem fünfstelligen Betrag an den Kosten beteiligen.

Wenn Sie den Verein dabei mit einer Spende unterstützen möchten, würde uns das sehr freuen!

2010: Abladen der Lok in Trossingen