Zeittafel

Die folgende Zeittafel zeigt einige markante Ereignisse in der langen Geschichte der Trossinger Eisenbahn.

Zusätzliche und detailliertere Angaben finden Sie in der Chronik.

1827
Der Trossinger Zeugweber Christian Messner (genannt „Zeug Christe“) beginnt mit der Produktion von Mundharmonikas.

Christian Messner 1805 – 1874

1857
Matthias Hohner beginnt mit der Mundharmonikaproduktion; bald exportieren die Harmonikaproduzenten ihre Produkte bis nach Nordamerika.
Trossingen entwickelt sich schnell von einem Bauerndorf zu einem “Industrie-Ort” mit vier verschiedenen Mundharmonika-Produzenten, die ihre Artikel in alle Welt exportieren.

Matthias Hohner 1833 – 1902

1869
Die Bahnstrecke zwischen dem württembergischen Rottweil und dem badischen Villingen wird eröffnet. An dieser Strecke erhält Trossingen einen Bahnhof, der allerdings 4 km weit vom eigentlichen Pfarrdorf Trossingen entfernt liegt.

1893
Die örtlichen Fuhrunternehmer sind mit dem hohen Transportaufkommen völlig überfordert. Der Gewerbeverein schlägt deshalb den Bau einer Eisenbahnverbindung zwischen dem Dorf und dem Bahnhof Trossingen vor. Im selben Jahr beschließt der Gemeinderat den Bau einer elektrischen Verbindungsbahn.

1869-1898 Bf. Trossingen Strecke Rottweil – Villingen

1896
Weder die Finanzierung des Projektes ist gesichert, noch liegt aus Stuttgart die Konzession für den Bau und Betrieb der Eisenbahn vor. Trotzdem beginnt man mit dem Bau der Bahnstrecke, der Gebäude und des Elektrizitätswerkes.

1897
15 mutige und weitsichtige Personen gründen die „Aktiengesellschaft Elektrizitätswerk und Verbindungsbahn Trossingen“. 450.000 Mark kommen bei der Gründungsversammlung zusammen, darunter 250.000 Mark von der Gemeinde Trossingen.

Bahnbau 1897

1898
Im Januar wird „In Gemäßheit der allerhöchsten Entschließung seiner königlichen Majestät“ von König Wilhelm II die Konzession zum Bau und Betrieb der Bahn erteilt. Zu diesem Zeitpunkt lagen bereits die ersten Schienen und die Gebäude waren im Rohbau fertig. Am 14.12.1898 nimmt die Bahn ihren Betrieb auf. Ein kleines Dorf mit gerade mal 3.000 Einwohner baute sich mittels einer Bürgerinitiative eine eigene elektrische Eisenbahn – heute unvorstellbar! Zum Fahrzeugpark gehören die beiden Triebwagen T1 und T2, der Personenwagen B3 sowie ein Güterwagen G4.

1902
Über den direkten Gleisanschluss zur Königlich Württembergischen Staatseisenbahn (K.W.St.E.) steigt der Güterwagenverkehr rasch an. Zur Unterstützung im Güter- und Rangierdienst wird die E-Lok EL4 „Lina“ fabrikneu nach Trossingen geliefert.

Konzessionsurkunde 1898

1908
Zur Verstärkung im Personenverkehr kommt ein umgebauter, ehemaliger Dampftriebwagen nach Trossingen. Dieser Personenwagen (B5) wird in Trossingen durch sein exklusives Aussehen „Salonwagen“ genannt. Auch der Güterschuppen ist zu klein und wird vergrößert.

1909
Die Aktiengesellschaft ist finanziell am Ende, Bahn und Elektrizitätswerk gehen in den Besitz der Gemeinde Trossingen über.

1913
Der Personenwagenbestand ist erneut zu klein und wird durch den Wagen B6 aus der Wagonfabrik Rastatt ergänzt.

1914
Trossingen stellt immer wieder teilweise verzweifelte Anfragen nach finanziellen Zuschüssen für den Bahnbetrieb, diese werden jedoch alle in Stuttgart abgelehnt. Die Trossinger ändern darauf ihre Strategie und bieten dem Staat die Bahn zur Übernahme an. Im Januar spricht sich die württembergische Abgeordnetenkammer für die Übernahme der Bahn durch den Staat aus. Gleichzeitig soll die Strecke in Richtung Tuttlingen verlängert werden. Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges verschwinden diese Pläne allerdings wieder in den Schubladen.

Generatorraum im Elektrizitätswerk

1939
Die Bahn transportiert mit ihren über 40 Jahre alten Triebfahrzeugen jährlich über 33.000 Tonnen Fracht in mehr als 2.700 Güterwagen. Der neue vierachsige Triebwagen T3 unterstützt die betagten Fahrzeuge aus der Gründerzeit. In den folgenden Jahren werden jährlich fast 300.000 Fahrgäste befördert.

1945
Am 21. April ist mit Einrücken von französischen Truppen der Krieg in Trossingen zu Ende. Bereits im Juni nimmt die Bahn nach Beseitigung kleinerer Kriegsschäden ihren Betrieb wieder auf.

T1 im Güterverkehr

1956
Die Maschinenfabrik Esslingen liefert den neuen Triebwagen T5 nach Trossingen. Mit dem Wirtschaftswunder beginnt gleichzeitig auch der Niedergang der Eisenbahn als wichtigstes Verkehrsmittel.

1961
Der Triebwagen T2 von 1898 wird nach 63 Jahren Einsatzzeit verschrottet.

1967
Die Lok „Lina“ wird als damals dienstälteste elektrische Lokomotive in Deutschland nach 65 Jahren Einsatzzeit stillgelegt, bleibt aber erhalten.

T5 am Staatsbahnhof

1968
In Deutschland werden viele tausend Kilometer Nebenbahnen von der Deutschen Bundesbahn stillgelegt. Nicht so in Trossingen: Zum 70igsten Geburtstag bekommt die Trossinger Eisenbahn neben einem neuen Empfangsgebäude auch noch einen neuen Triebwagen (T6) für 265.000 DM.

1975
Die DB setzt die Bahnstrecke Rottweil – Trossingen Bahnhof – Villingen auf die Liste der unrentablen Strecken. Somit droht der Trossinger Eisenbahn eine „kalte“ Stilllegung.

1988
Bei den regionalen Planungen einer Stadtbahn von Bräunlingen über Villingen nach Trossingen ist die Trossinger Eisenbahn als fester Bestandteil mit integriert.

Triebwagen T6, letzter Fahrzeugkauf bei der TE.

1989
Nach einer gründlichen Hauptuntersuchung in Rastatt kehrt der Triebwagen T3 zur Überraschung der Eisenbahnfreunde im Originalzustand von 1939 nach Trossingen zurück. Der erste Schritt für eine künftige Nutzung als Museumsfahrzeug ist gemacht!

1990
Vom Gewerbeverein wird der Triebwagen T1, sein Beiwagen B2 und die Lok EL4 komplett restauriert und in den Zustand von 1898 bzw. 1902 zurückversetzt. Am 9. September 1990, beim Festakt “125 Jahre Gewerbeverein Trossingen” wird der Museumszug mit der Lok „Lina“, dem Triebwagen „Zeug Christe“ und dem Beiwagen „Lias“ in Betrieb genommen. Sie bilden damit den den ältesten betriebsbereiten Elektrozug der Welt.

1993
Die DB kündigt die Beendigung des Stückgut- Express- und Wagenladungsverkehrs nach Trossingen an. Die Folge: Das jährliche Defizit der Trossinger Eisenbahn steigt durch den Wegfall des Güterverkehrs um weitere 200.000 DM. Die Verwaltung der Bahn erarbeitet deshalb eine Stufenlösung zur Reduzierung des Fahrbetriebes ab Fahrplan 1994/95 und die Beendigung der Trägerschaft durch die Stadtwerke zum Fahrplanwechsel 1996/97. Am 28. Juni beschließt der Gemeinderat die Stilllegung der Bahn – und verlängert immer wieder mit finanzieller Unterstützung der am Stadtbahnprojekt beteiligten Landkreise deren Betrieb bis ins Jahr 2003 (Start des Ringzuges).

1994
In den ÖPNV-Planungen taucht erstmals der Begriff „Ringzug“ auf. Auch in diesem Nahverkehrskonzept ist die Strecke der Trossinger Eisenbahn integriert.

T3 in den Farben von 1939

1996
Im Januar wird der „Trossinger Vertrag“ in der Wagenhalle der Trossinger Eisenbahn unterzeichnet. Ministerpräsident Erwin Teufel, die Landräte der drei Landkreise Tuttlingen, Rottweil und dem Schwarzwald-Baar-Kreis sowie der Landesverkehrsminister verpflichten sich, den „Ringzug“ Bräunlingen – Villingen – Rottweil – Tuttlingen – Immendingen unter Einbeziehung der Strecke nach Trossingen zu verwirklichen.

1997
Nachdem 1996 die DB auch den Einzelwagenverkehr nach Trossingen eingestellt hat, wird der hauptsächlich im Güterverkehr eingesetzte Triebwagen T3 arbeitslos und nach Ablauf der 8-jährigen Untersuchungsfrist abgestellt.

Unterzeichnung Ringzug-Vertrag in der Wagenhalle

1998
Mit verschiedenen Festveranstaltungen feiert Trossingen den 100sten Geburtstag seiner Eisenbahn. Höhepunkte sind Sonderfahrten mit den historischen Triebwagen, Dampf-Sonderzügen und modernen HzL Regio-Shuttle-Triebwagen.

2002
Beim Triebwagen T6 läuft die Untersuchungsfirst ab und wird nicht mehr erneuert. Stattdessen wird der Museumstriebwagen T3 reaktiviert und im täglichen Verkehr eingesetzt.

2003
Am Freitag, 11. Juli pünktlich um 18:16 Uhr erreicht der letzte planmäßige Elektrozug der TE den Stadtbahnhof Trossingen. Damit endet nach 105 Jahren der reguläre Personenverkehr unter Regie der Trossinger Eisenbahn. Während des Jahrhundert-Sommers werden bei Gluthitze die gesamten Gleisanlagen für den Ringzug-Betrieb grundlegend erneuert. Anfang Oktober beginnt auch in Trossingen das Ringzug-Zeitalter mit neuen Regio-Shuttles unter Regie der HzL. Die Trossinger Eisenbahn stellt als Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen Gleise und den Bahnsteig Trossingen Stadt zur Verfügung.

100 Jahre TE: 2 Dampfloks der EFZ in Trossingen Stadt

2004
Im September wird der „Freundeskreis der Trossinger Eisenbahn e. V.“ gegründet.
Bereits im Dezember kehrt die Trossinger Eisenbahn für 6 Monate in den planmäßigen Personenverkehr zurück: Morgens in der Schülerspitze werden zwei Zugpaare wieder mit den alten Elektrotriebwagen von 1939 und 1956 gefahren. Der dadurch freigesetze Regio-Shuttle wird für Kapazitätserweiterungen im übrigen Ringzugnetz benötigt.

2005
Im Sommer 2005 wird das erweiterte Eisenbahnmuseum eröffnet und die ersten Sonderfahrten mit den inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Fahrzeugen finden unter der Regie des Freundeskreises statt.

Logo des Freundeskreises

2007
Der im Freien abgestellte Triebwagen T6 (Baujahr 1968) erhält einen neuen Farbanstrich. Die Aktiven des Freundeskreises helfen dabei tatkräftig mit, außerdem beteiligt sich der Verein mit einem 5-stelligen Betrag an den Gesamtkosten für die optische Aufarbeitung. Die Vorbereitungen für das Jubiläum „111 Jahre Trossinger Eisenbahn“ beginnen.

2008
Um die defekten Motoren an der E-Lok „Lina“ zu reparieren, wird mit Hilfe des Trossinger THW’s die Lok auf einem Spezial-LKW in die Werkstatt der Stuttgarter Strassenbahn transportiert. Bei den anschließenden Probefahrten in Trossingen zeigt sich aber, dass noch immer Kurzschlüsse auftreten.

T6 mit neuem Farbanstrich

2009
In Trossingen wird das Jubiläum „111 Jahre Trossinger Eisenbahn“ gefeiert: Am 1. Juni kommt die Wutachtalbahn mit Ihrer Dampflok 50 2988 und drei Personenwagen zur Geburtstagspary. Zu den Sonderfahrten mit der grünen Garnitur spielt am 5. Juli das Blasorchester der Stuttgarter Strassenbahn und im September fährt der Triebwagen T3 unter dem Motto „70 Jahre Sonntagswagen“. An beiden Tagen ist jeweils ein SWR Fernsehteam vor Ort, um über das Fest und die außergewöhnliche Bahn zu berichten. Zusammen mit den Modelleisenbahnfreunden, die 25 Jahre Vereinsgeschichte feiern können, findet im Oktober in der Fritz-Kiehn-Halle eine große Modell- und Eisenbahnausstellung mit einem überwältigenden Besucheransturm statt.

Die “Sauschwänzlebahn” mit Dampflok in Trossingen

2010
Die Lok „Lina“ geht erneut nach Stuttgart, da auch mehrere Reparaturversuche in Trossingen keinen Erfolg zeigen. Der im Freien abgestellte Triebwagen T6 bekommt ein Schutzdach, das zwischen zwei vorhandenen Fahrleitungsmasten montiert wird. Mit zwei Mitgliedern aus dem Freundeskreis bildet die Trossinger Eisenbahn seit mehr als 20 Jahren erstmals wieder Triebfahrzeugführer für ihre Fahrzeuge aus. Um Schäden durch zu lange Stillstandszeiten (Standschäden) an den Fahrzeugen zu vermeiden, werden ab sofort einmal im Monat die historischen Fahrzeuge bewegt. Schnell etablieren sich diese internen Bewegungsfahrten als offizielle “Mondscheinfahrten”, bei denen – mit einer kleinen Spende – Fahrgäste mitfahren können.

“Mondscheinfahrt” mit der grünen Garnitur

2011
Auch der dritte Reparaturversuch an der E-Lok “Lina” in Stuttgart bringt kein Ergebnis. Selbst die Fachleute sind inzwischen ratlos, weshalb die kleine Lok unter Kurzschlüssen leidet.
Am 1.12.2011 werden in die Lok von der Firma Schunk Kohlenstofftechnik extra angefertigte Motorkohlen eingebaut. Nach mehr als 5 Jahren, 8 Reparaturversuchen und Kosten von über 46.000 € läuft die Lok endlich wieder störungsfrei.

Kritische Blicke bei den SSB in Stuttgart